Schule Talenta Zürich für hochbegabte Kinder

Fokus Hochbegabung

Was ist Hochbegabung?

Ja, wenn man das wüsste! Die Diskussion füllt Bücherregale. Als Praktiker ist sie nicht "unser Bier" und macht im Alltag dennoch Probleme.

Die psychometrische Definition IQ 130 oder höher (entspricht 2 Standardabweichungen vom Mittel) erlaubt verlässliche Potenzialanalysen. Einige  pädagogische Relevanz fehlt jedoch: Motivation (begeistert sich, hält durch), Kreativität (findet originelle Lösungswege), privates und schulisches Umfeld sowie Bezugspersonen. Für den Alltag  fehlen handfeste Kurztests für Screenings als Orientierungshilfe, z.B. zur Gruppenbildung. Unsere Nöte und Erfahrungen als Praktiker:

Hochbegabung - Schule Talenta - Schule für hochbegabte Kinder - Zürich

Hochbegabt gleich Hochleister? Viele Dispute kreisen um dieses Begriffspaar: Ist ein Kind, das Spitzentests abliefert, im Klassenzimmer aber demotiviert vor sich hin dümpelt, mässig leistet oder gar stört, hochbegabt oder nicht? Muss es sein Potenzial abrufen, umsetzen beweisen können? Ansichtssache - je nach Antwort sind Auswahl und Förderangebote zwei Paar Schuhe.

Definition für die Praxis

Eigentlich besteht in der europäischen Schulpraxis eine brauchbare Alltags-Vorstellung von hochbegabtem Verhalten: Es sind dies Kinder,

  • die rascher evtl. anders lernen und neue komplexe Strukturen spontan erfassen,
  • die sich häufig an sogenannt  "nicht altersgerechte" Stoffe heranwagen,
  • die kreativ kombinieren, vernetzen und komplexe Probleme lösen und die sich
  • dabei vor lauter Grübeln vergessen können.

Bricht deshalb für diese Kinder überall die „grosse Leichtigkeit“ aus? Mitnichten. Zwar scheint meist eine generelle Intelligenz durch: berühmte Faktor G. Aber Profil und Persönlichkeit variieren stark. Und viele Fähigkeiten müssen ohnehin drillmässig eingeübt werden. Ein gutes Lern- und Arbeits-Verhalten stellt sich nicht über Nacht ein. P.S. Wir haben unter 250 Kids kaum „einseitige“ Genie entdeckt - ein Stereotyp? Richtig ist hingegen, dass begriffene Inhalte (Einsichten) fest verankert sind, kaum vergessen gehen. Deshalb sind viele hochbegabte Kids bei „unnötigen“ Wiederholungen bockig bis unausstehlich.

Knapper Forschungsstand

Wir halten uns an den summarischen und kritischen Überblick, den Joan Freeman (GB) am Kongress in Barcelona skizziert hat. identische Befunde kommen">.

1. Der Einfluss der Erbanlagen ist beträchtlich.

2. Die frühe Kindheit ist eine Schlüssel-Phase.

3. Spracherwerb & Sprachentwicklung sind vital.

4. Als Kind weit voraus, heisst nicht zwingend, als Erwachsener hochbegabt sein und bleiben.

5. Der Einfluss des Geschlechts läuft parallel zu gesellschaftlichen Rollenbildern der Eltern.

6. Spezialprogramme für Hochbegabte sind auch für die Regelschüler geeignet. Stufengerecht.

Der Streit am grünen Tisch

Wagt man es, mehr Futter für hochbegabte Kinder zu fordern, wird häufig aus allen Rohren geschossen: Inklusion versus Separation - hie gut, dort böse. Es hagelt faustdicke Vorurteile:

1. Die Klassenkameraden würden eine Spezialbehandlung nie akzeptieren!

2.  Wir täten es. Aber es ist gesetzlich verboten.

3.  Es ist undemokratisch, Kinder zu bevorzugen.

4.  Seien Sie dankbar: so ein kleines Problem!

5.  Das ist nicht Aufgabe der öffentlichen Schule!

6.  Wir sehen bei ihrem Kind keinen dringenden Handlungsbedarf. Es ist ja nicht auffällig.

7.  Die Finanzen erlauben leider nicht mehr.

8.  Haben Sie selbst schon alles versucht?

9. Helfen Sie sich selber!

Segregation | Separation | Integration | Inklusion

Dieses Vokabular des Grauens entstammt nicht etwa der Geschichtsschreibung über die Konzentrationslager, sondern sagt aus, wie man Lerngruppen organisieren kann: homogener oder heterogener, ständig oder teilzeitlich. Wie man daraus eine Weltanschauung zimmern kann, bleibt das Geheimnis jener Leute, für welche Pädagogik offenbar die letzte Zuflucht der Religion ist. Mit Worten lässt sich trefflich streiten! Beschleicht sie auch ein ungutes Bauchgefühl? Kann jemand die seelische Not von Kindern voll erfassen, der so viel Zeit für semantische Grabenkriege übrig hat?

Akzeleration vs. Enrichment

Ein „Neben-Grabenkrieg“ tobt um die Begriffe Beschleunigung und Anreicherung. Ziel: den  begabten Kids gerecht werden. Eher dies oder eher das? Je nach Wortinhalt ist alles richtig. Die Erfahrung von Talenta nach bald zwei Jahrzehnten und über 250 Kindern sagt: Die Kinder kennen den Weg. Lediglich die staatlichen Lerninhalte schneller durchpauken („more of the same“) und so den Zeitgewinn maximieren wird ihrem Wissensdurst ebenso wenig gerecht wie eine blosse Aufblähung der Fülle von Inhalten. Wir neigen eher zum Enrichment, verstanden als Vertiefung und Verankerung. Die Akzeleration findet ohnehin statt, wenn wir die Signale der Kids zur „Pace“ ernst nehmen. Immerhin hat der grossen und teure  US-Report über Vorurteile zur Akzeleration schlüssig nachgewiesen, dass befürchtete „Schäden“ ins Reich der Märchen gehören (A Nation deceived: Belin & Blank 2004).    

Unprofessionelle Haltung

Schuld an den Mängeln sind nicht überforderte Regel-Lehrkräfte. Talenta weiss gut, wie viel Zeit und Energie im Umgang mit hochbegabten Kids erforderlich ist. Worthülsen wie Individualisierung oder Binnen-Differenzierung vernebeln nur den zu leistenden Mehraufwand. Nein, was fehlt ist die  politische und wissenschaftliche Redlichkeit:  Forschung respektieren und Ideologie abbauen.

Denn die Diskussion hat etwas Surreales: Längst ist das „Grouping“ für unsere Kids als sehr wirkungsvoll erkannt und gesichert. Karen B. Rogers (USA) hat 1991 in einer grossen Meta-Analyse gefolgert: Gruppieren ist für die schulische, soziale und persönliche Entwicklung (Selbstbild) besser. Keine Studie kann Vorteile der Regelklasse ausmachen! Auch die Salamanca Erklärung (1994) der UNESCO zu den „Special Needs“ meint mit dem Prinzip Inklusion nicht starren Zwang, sondern lässt für begründete Ausnahmen andere Formen ausdrücklich zu.

Talenta-Hypothesen und Facts

Ja, wir mussten dazulernen: Das Projekt Talenta nahmen wir mit 2 Hypothesen in Angriff:

A. Talenta Kids lernen pauschal 3-5mal schneller.

B. Hochbegabte mit einer Leidensgeschichte entspannen sich bei uns in Kürze wie von selbst.

Beide Hypothesen erwiesen sich in dieser Form als falsch.

Für Talenta ist gesichert: Die Kinder sind durchschnittlich 3 Jahre an der Schule und sparen (durchschnittlich) dabei ein Schuljahr ein. Die Mehrheit der Kids tritt 1-3 Jahre vorzeitig ins Gymnasium über.

Je früher, desto erfolgreicher in der Prüfung.

Zusätzliche Informationen

Die Rechte der Kinder in E F D I Sp

Drei typische Gruppen Hochbegabter

Segregation I Separation I Integration I Inklusion

Akzeleration: Eine betrogene Nation (2004)

Der Mythos Integration am Beispiel Talenta

UNESCO 1994 Salamanca: Thesen in E F D Sp

Die Zürcher Bildungschefin Aeppli zur Talenta

Brief an den Bundesrat I Zitate Gerd Schröder